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Kultureller Reichtum auf vielen Gebietenvgl. FT vom 30.5.01 ÜBG im Gespräch mit russlanddeutscher Landsmannschaft - Mehrheit eingliederungswillig"Meine Heimatstadt ist Bamberg und mein Heimatland ist Bayern". Diese Aussage war der Höhepunkt in einem bewegten Redebeitrag von Albert Kern, des Vorsitzenden der Landsmannschaft der Russland-deutschen im Kreis Bamberg. Die Überparteiliche Bürger-Gemeinschaft (ÜBG) informierte sich im Rahmen ihrer Informationstour "ÜBG unterwegs" über das Leben und die Sorgen von Aussiedlern in Bamberg, vorrangig aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion (SU). An der Diskussionsrunde nahmen neben Albert Kern noch Rudolf Wolf von der Beratungsstelle für Aussiedler des Sozialdienstes katholischer Frauen (SKF) und die ehrenamtliche Betreuerin Hilde Steinheimer teil. In das Thema führte Rudolf Wolf mit einem Lichtbildervortrag ein, der einen Eindruck von der "Heimat drüben" und über das Gefühlsleben der Aussiedler geben sollte. In seinem Sachvortrag ging Wolf auch auf die "Fehlinformationen und Vorurteile" ein, die es in der hiesigen Bevölkerung hinsichtlich der finanziellen Ausstattung der Rückkehrer gibt. Eingliederungsleistungen gebe es außer einem sechsmonatigen Sprachkurs keine mehr, der Lastenausgleich sei schon lange abgeschafft, die Rentenzahlungen betrügen bei Einzel-stehenden maximal 1200 DM und bei einem Ehepaar maximal 1800 DM im Monat - wenn ein volles Arbeitsleben nachgewiesen werden könne. Allerdings erhielten bedürftige Aussiedler aufgrund ihres Deutschseins Sozialleistungen wie jeder andere Deutsche auch. Aufgrund der Altersstruktur und des relativ hohen Beschäftigungsgrades würden unter dem Strich die zugezogenen Aussiedler mehr Geld in die Sozialkassen einzahlen als sie daraus Leistungen erhielten. Viele Aussiedler würden Arbeiten in "Nischenbeschäftigungen" aufnehmen und oft auch einen deutlichen Statusverlust auf sich nehmen. Rudolf Wolf betonte, dass Integration ein wechselseitiger Prozess sei, der Verständnis für die jeweils anderen kulturellen Gewohnheiten verlange. Die meisten Aussiedler aus der ehemaligen SU seien nicht nur "sowjetisch sozialisiert", sondern auch in der jeweiligen Kultur eines der vielen Völker der SU aufgewachsen seien. "Wer nähere Kontakte mit Aussiedler-Gemeinschaften hat, weiß, welchen kulturellen Reichtum auf künstlerischem, sportlichen oder geselligem Gebiet diese Menschen mitbringen", begeisterte sich Rudolf Wolf. Im Gespräch wurden auch kritische Feststellungen getroffen. Der Vorsitzende der überparteilich-freien Stadtratsfraktion, Dieter Weinsheimer, merkte an, dass es bei vielen Einheimischen auf Unverständnis stoße, wenn z.B. junge Eltern mit ihren schulpflichtigen Kindern "in der Bäckerei oder an der Bushaltestelle" russisch statt deutsch sprächen. StR Dr. Helmut Täuber wies auf Erkenntnisse hin, die bei jugendlichen Aussiedlern besorgniserregende Tendenzen zu Gewaltbereitschaft, Alkoholkonsum und Drogenhandel aufzeigten. Die Vertreter der Aussiedler räumten ein, dass diese Sorgen berechtigt seien, wiesen aber auch auf nachhaltige Gegenmaßnahmen hin. StR Weinsheimer sprach sich dagegen aus, die Probleme unter den Teppich zu kehren. "Ärgernisse und Missstände müssen an- und ausgesprochen werden", forderte er, "denn nur dann fühlen sich die betroffenen Einheimischen mit ihren Ängsten ernst genommen und die Ursachen dafür können auf beiden Seiten abgebaut werden". Hilde Steinberger erläuterte, dass die Aussiedler einerseits einen ausgeprägten Familiensinn mitbrächten, andererseits viele Ehen hier in Krisen gerieten. Das zeige Auswirkungen bei allen Familienmitgliedern, insbesondere natürlich bei den Kindern. Man wisse um diese Probleme und versuche in Zusammenarbeit mit anderen Institutionen zu helfen. Frau Steinberger hob hervor, dass es viele engagierte Helfer in der einheimischen deutschen Bevölkerung gebe, die sich ehrenamtlich um die Eingliederung und Problembewältigung bemühten. Der Sozialdienst Katholischer Frauen sei bereits seit 40 Jahren in diesem Sinne tätig. Zur Zukunft der weiteren Betreuungsarbeit meinte StR Dr. Täuber, dass die staatlichen bzw. kommunalen Leistungen nicht weiter in den Vordergrund rücken dürften, sondern die "menschliche Wärme" der in den Sozialverbänden engagierten Helfer bestimmend bleiben müsse. Die Politik muss sich zur Aufgabe bekennen und die Arbeit koordinieren, das konkrete Tun und die finanziellen Mittel dazu sollten jedoch in erster Linie den freien Trägern überlassen bleiben. Namens der ÜBG dankte Vorsitzender Wolfgang Wußmann den Gästen. Die ÜBG versuche die Probleme aus der Sicht der Bürger zusehen, das offene Gespräch könne dazu beigetragen, das gegenseitige Verständnis in dem manchmal heiklen Zusammenleben von Nachbarn zu verbessern. | ||