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"Bayern braucht Ganztagsschule"Aktionsgruppe der Freien Wähler kritisiert Staatsregierungvgl. FT vom 27.9.01 Das "abblockende Verhalten der Bayerischen Staatsregierung in der Frage zur Einführung von Ganztagsschulen" wurde bei einem Treffen der Aktionsgruppe der Freien Wähler (FW) in Bamberg nachdrücklich kritisiert. Bei dem Versuch, Lasten auf die Kommunen zu verlagern, diskriminiere die Staatsregierung einen Schultyp, an dem kein Weg mehr vorbei führe. "Der Bedarf an Ganztagsschulen ist aufgrund der veränderten familienpolitischen Anforderungen auch in Bayern vorhanden", meinte der Sprecher der Freien Wähler Bambergs, StR Dr. Helmut Täuber. Im Lebensraum der Ganztagsschule könne die soziale Entwicklung junger Menschen und ihr guter Umgang miteinander nachhaltiger gefördert werden. Erfolgreiches Lernen und mehr Verständnis der Schüler untereinander wie mit ihren Lehrern seien die Chancen der Ganztagsschule. Die notwendigen Schritte für eine verbesserte Bildung und Erziehung unserer jungen Menschen würden von der Staatsregierung aufgrund finanzieller und politischer Erwägungen verzögert. Stattdessen wolle man mit dem Modell "Halbtagsschule mit Mittagessen und Betreuung am Nachmittag" die Personallasten auf die Kommunen abwälzen. Den Vorschlag des Bayerischen Städtetags dagegen, dass es sich bei der Ganztagsschule um ein bedarfsorientiertes Angebot des Staates handeln müsse, halten die FW für den richtigen Weg. In einer vom Bayerischen Städtetag verabschiedeten Resolution würde es in aller Deutlichkeit heißen, "dass die Ganztagsschule weder übergestülpt noch auf so genannte soziale Brennpunkten beschränkt werden darf". Nach Meinung von FW-Mitglied Wolfgang Kirchner laufe der Versuch der Staatsregierung, lediglich an 30 sozialen Brennpunkten Ganztagsschulen einzurichten darauf hinaus, diese Schulart zu stigmatisieren. Damit würden Hindernisse aufgebaut, die später nur sehr schwer wieder abzuräumen seien. Bei der diesjährigen Tagung des Bayer. Städtetags in Augsburg hätten die dort versammelten Experten eindeutig die Vorzüge einer Ganztagsschule gegenüber der traditionellen Halbtagsschule heraus gestellt, berichtete FW-Mitglied Peter Hofmann. Ein Blick in die anderen europäischen Länder zeige, dass dort die Ganztagsschule die Regel sei. Andere Bundesländer setzten ebenfalls verstärkt auf diesen Schultyp. Auch in Bayern werde der Druck so groß werden, dass hier dieser Schultyp entsprechend der Nachfrage angeboten werden müsse. Der Druck komme nicht nur von den Eltern schulpflichtiger Kinder, sondern auch aus der Wirtschaft und der Bürgerschaft, die mit Sorge die zunehmenden Wissens- und Erziehungsdefizite bei Jugendlichen sehe. Die Lösung sei deshalb auch keine bloße Aufsichtsbetreuung am Nachmittag, sondern eine "rhythmisierte Beschulung" in den Nachmittag hinein. Ob Bedarf für die Umwandlung einer Halbtagsschule in eine Ganztagsschule bestehe, müsse letztlich von den Eltern, dem Sachaufwandsträger und den Lehrkräften der Schule festgestellt werden, bekräftigte StR Dieter Weinsheimer. Aufgrund von Umfragen habe man schon festgestellt, dass der Wunsch nach Ganztagsschulen in den Städten wesentlich größer sei, als auf dem Land. Bei einer schrittweisen Einführung könne man auf diese Unterschiede Rücksicht nehmen. | ||