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Kulturhauptstadt Europas nicht um jeden Preis

Freie Wähler wollen sorgfältig überlegen

vgl. FT vom 07.10.03

Wir haben uns dafür entschieden, die erste Runde für die Bewerbung Bambergs als Kulturhaupt-stadt Europas mit zu unterstützen, berichtete StR Dieter Weinsheimer auf einer Vorstandssitzung der Freien Wähler/ÜBG. Erst nach dieser ersten Runde wird man sehen, ob ein Festhalten an diesem Ziel sinnvoll, vertretbar und aussichtsreich erscheint. Besonderen Wert legte Weinsheimer auf das Kriterium vertretbar, denn die sich derzeit abzeichnenden Kosten würden Bamberg zu sehr belasten. Nicht nur die objektiv erforderlichen Mittel müssen hinterfragt werden, sondern auch, welche anderen notwendigen und wichtigen Projekte dadurch für lange Zeit nicht mehr realisiert werden könnten. "Es muss sorgfältig überlegt werden, ob es vertretbar ist, zwar ein faszinierendes Prädikat und Ereignis für Bamberg zu gewinnen, dafür aber den inneren Frieden der Stadt zu gefährden", meinte Weinsheimer.

StR Wolfgang Wußmann (ÜBG) verwies darauf, dass zahlreiche Projekte in der Stadt auf lange Sicht nicht mehr finanzierbar sein könnten. Zum Beispiel die Straßenbauten Kronacher Straße und Anbindung der Altenheime und der Nervenklinik im nördlichen Berggebiet. Auch im Sozial- und Jugendbereich würden sich unruhige Zeiten abzeichnen. Das Bamberg bereits eine reges und ausgeprägtes Kulturangebot habe, sei einerseits für die Bewerbung ein Vorteil, andererseits meldeten sich immer mehr Bürger, die mit Zorn ein aus ihrer Sicht einseitige Entwicklung sähen. Es sei weder den Symphonikern noch dem Theater gedient, wenn mit ihrem Namen und ihrer Arbeit Ablehnung und Neid verbunden würden, meinte Wußmann. Die Stadtführung müsse sehr darauf achten, dass der Bogen nicht überspannt werde. StR Wußmann erinnerte daran, dass Bamberg bereits den Zuschlag für die Landesgartenschau 2012 erhalten habe. Auch dieses Ereignis sei nicht zum Nulltarif zu haben. Eine mögliche (sachliche und finanzielle) Koppelung der Landesgartenschau mit der Bewerbung für die europäische Kulturhauptstadt müsse sich erst als machbar erweisen. Alles laufe letztlich darauf hinaus, dass es noch offen sei, ob Bamberg und die Region wirklich diese Kraftanstrengung schultern könnten. Zunächst habe man ja gesagt, weil dein so großes und großartiges Ziel nicht ohne eine gewisse Begeisterung zu schaffen sei.

Es müsse den Bürgern von Oberbürgermeister und Stadtrat endlich klar gesagt werden, für was man in nächster Zeit überhaupt bereit und in der Lage sei, Geld auszugeben, fügte Vorsitzender Peter Hofmann hinzu.